Philipp Getto über Zukunftstechnologien in der Live-Kommunikation

Ultimativer Tech-Trend oder nur heiße Luft?

Innovationstag

Kongresse, Messen und Events – wo es um Live-Kommunikation geht, spielen immer auch digitale Medienlösungen eine Rolle: Wie bleibt man bei der Vielzahl von Anwendungen und Neuerungen immer auf dem aktuellen Stand? Und wie behält man den Überblick, welche Trends zukunftsfähig sind oder doch nur heiße Luft?

Wir haben unseren digitalen Vordenker Philipp Getto gefragt, wie er den Überblick behält:

Die Trends zu erkennen ist eigentlich ganz einfach, man muss nur die Augen offen halten. Das Informationsangebot ist riesig: Zeitschriften, Newsletter, Corporate Blogs und Social Media liefern die Basis und helfen bei der ersten Einordnung. Um aber wirklich bewerten zu können, welche Innovationen Zukunft haben, muss man sie live erleben: Bei Messen wie der Prolight + Sound, der IFA oder dem ARS Electronica Festival aber auch bei kleineren Fachveranstaltungen. Hier ist die Auswahl groß, neben kommerziellen Angeboten gibt es inzwischen auch viele Unternehmensveranstaltungen, die alles andere als Verkaufsevents sind, sondern richtig guten Content durch Top-Referenten vermitteln. Ein aktuelles Beispiel ist der vom Innovationshub (eine Kooperation von der Hochschule Düsseldorf, LAVAlabs Moving Images und tennagels Medientechnik) organisierte Innovationstag.

Das klingt spannend. Was hat die Veranstaltung für dich so besonders gemacht?

Das Vortragsprogramm und die brillanten Redner. Wo sonst hat man die Gelegenheit, den Erfolgsautor Frank Schätzing live im Gespräch mit einer KI zu erleben? Auch zu sehen, wie sich Großkonzerne agiler aufstellen war extrem spannend und inspirativ. Alle Branchen haben erkannt, dass digitale Innovation nicht immer zwingend aus dem eigenen Hause kommen muss – Kooperationen mit Start-Ups bieten da beispielweise weitaus mehr Potenzial. Auf dem Innovationstag ging es nicht darum, Produkte zu verkaufen, sondern um Themen und Fragestellungen, die über das Alltägliche hinaus gehen. Dennoch blieb genügend Zeit, sich über konkrete Medienlösungen sowie die ein oder andere futuristische Spielerei zu informieren und auch das Networking kam nicht zu kurz.

Was ist dein Fazit, nachdem du dich bei den verschiedenen Events umgeschaut hast? Welche Trends darf man in der Live-Kommunikation keinesfalls verpassen?

Immer noch hoch im Kurs stehen Augmented Reality und Virtual Reality, kurz AR und VR. Beides ist den Kinderschuhen nun endgültig entwachsen. Gerade dort, wo es um die Vermittlung komplexer Inhalte geht, spielen die Anwendungen eine große Rolle. Das bedeutet zugleich, dass es dabei nicht mehr um aufmerksamkeitserregende Aktionen geht, sondern um den Nutzen. Was kann ich mit AR vermitteln, was nicht auf anderem Weg erklärt werden kann? Wo kann ich meine Besucher mit VR hinführen, wohin sie sonst nicht gelangen? Und wie schaffe ich es, dennoch mit ihnen im Gespräch zu bleiben?

Außerdem geht der Trend zu Cross Reality-Formaten (kurz: XR). XR verbindet VR und AR und hat dank neuer Hardware großes Potenzial gerade in direkten Kommunikationssituationen, wie sie auf Messen vorherrschen.

Auch setzen sich zunehmend Tools zur Erfassung und automatisierten Auswertung von Daten durch: Bisher werden allenfalls Besucherzahlen und Verweildauer ermittelt, aber in Zukunft werden die ermittelten Daten auch automatisiert ausgewertet. So können dem Besucher personalisierte Inhalte präsentiert werden, so wie wir das heute schon in der digitalen Welt gewohnt sind. Diese Hyperpersonalisierung schwappt vom Onlinemarketing gerade auch in die Live-Kommunikation.

Und ein Blick in die Zukunft: Welche technologischen Entwicklungen sollten wir in der Live-Kommunikation im Auge behalten?

Auf der Prolight + Sound wurden die Hypervsn Walls, also fast unsichtbare Multimediawände, auf denen freischwebende 3D-Hologramme abgespielt werden, stark gehypt. Das sorgt zwar durchaus für Wow-Effekte, aber als ein Hingucker ist es noch recht teuer. Mal sehen, wie sich die Technologie weiterentwickelt.

Ganz neue Möglichkeiten, Content zu vermitteln, bieten flexible OLED-Displays. Diese haben nun die Marktreife erreicht. Mit der enorm hohen Auflösung, einer brillanten Farbtiefe und einer Materialdicke von weniger als 4 mm können sie selbst auf minimalem Platz und Oberflächen aller Art digitale Inhalte wiedergeben.

Aber das ultimative Ding ist aus meiner Sicht die Sprachsteuerung. Was bisher nur mit den bekannten Produkten aus den Häusern Apple, Amazon und Google möglich war, erhält nun Einzug in alle Geräte des täglichen Gebrauchs. Auch in der Live-Kommunikation eröffnen sich mit den sogenannten Virtual Promotern ganz neue Spielfelder.

Vielen Dank für die Antworten, Philipp!

Welche technologischen Neuerungen werden sich durchsetzen? Welche Trends sollte man nicht verpassen? Welche Zukunftsszenarien sind denkbar? Im RedLab suchen wir für und mit unseren Kunden nach Antworten.

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