Digitalisierung der Live-Kommunikation

Hybride Events – nur ein Buzzword oder müssen medizinische Fortbildungen wirklich digitaler werden?

Hybride Events

Die klassischen Formate der medizinischen Fortbildung, insbesondere die Kongresse der medizinischen Fachgesellschaften, haben – allen vermeintlichen Stolperfallen zum Trotz – nichts von ihrer Strahlkraft verloren: Weder FSA-Fachkreisekodex und -Transparenzkodex noch das Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen haben sich spürbar negativ ausgewirkt. Und auch die Digitalisierung und die damit verbundene zusätzliche Fülle an neuen Kanälen und Möglichkeiten für Ärzte sich auszutauschen und weiterzubilden zeigt wenig Auswirkungen. Noch immer ist der Fachkongress, bei dem sich der Arzt zwei Tagen über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie praxisrelevante Themen im jeweiligen Fachgebiet informiert - und es genügend Raum für Austausch mit Kollegen gibt - eine der Hauptinformationsquellen, wie die jüngste LA-Med API-Studie belegt.

Warum Fachkongresse dennoch digitaler werden sollten und wo die Grenzen hybrider Events liegen wollen wir mit diesem Artikel kurz beleuchten.

Der persönliche Austausch und das unmittelbare Erlebnis stehen für medizinische Fachzielgruppen auch im Jahr 2018 im Vordergrund. Und doch verändern sich Informationsverhalten und Kommunikationsgewohnheiten – und das nicht nur in der jüngeren Ärzte-Generation. Denn: Wer heute ein Smartphone nutzt, und das sind wie der Zenith Mobile Advertising Forecasts 2017 prognostiziert mittlerweile mehr als 80 Prozent der Deutschen, der ist es gewohnt, passgenaue Informationen zu jeder Zeit abrufen zu können und erwartet eine personalisierte, individuelle sowie bedarfsgerechte Kommunikation. Mit anderen Worten, wo uns Siri und Google entsprechend der aktuellen Verkehrslage rechtzeitig losschicken, um pünktlich beim anstehenden Termin zu erscheinen, wo wir per App interessante berufliche Kontakte (oder sogar den Partner fürs Leben) finden und wo wir, wo auch immer wir digital unterwegs sind, immer ein passendes Angebot und für uns relevanten Content angezeigt bekommen, da können wir auch in der realen Welt mehr Nutzer- und Nutzenorientierung erwarten. Tausende von Werbebotschaften prasseln heute auf uns ein. Hängen bleiben nur die, die wirklich relevant sind, uns berühren oder helfen, aber auch solche, die uns ärgern – je emotionaler und relevanter die Botschaften sind, desto leichter erinnern wir uns an sie.

Wer in der vernetzten Welt Marken positiv aufladen möchten, der muss eine konsistente Customer Journey bieten, über alle Touchpoints hinweg. Und genau deshalb muss auch die Live-Kommunikation digitaler werden.

Technologien und erprobte Anwendungen gibt es viele: Von der Event-App, die beim Planen und Netzwerken unterstützt über den Chatbot, der bei der Informationssuche hilft, bis hin zu RFID, NFC-Tracking oder gar Gesichtserkennung zur Datenerfassung und personalisierten Kommunikation.

Dabei geht es weniger darum, alle technologischen Möglichkeiten auszuschöpfen, sondern smarte Instrumenten und Anwendungen bestmöglich einzusetzen. Der Nutzen sollte dabei stets im Blick behalten werden: Einen aufwendige, aber wenig praxisrelevante VR-Anwendung mag oberflächlich zwar für einen positiven Imagetransfer sorgen und das Unternehmen von weitem innovativ erscheinen lassen, kann aber schnell enttäuschen, wenn der Content nicht relevant ist. Vor Auswahl der Medien und Devices steht also immer die Frage: Was interessiert den Besucher wirklich? Wie komme ich mit ihm ins Gespräch und sorge zum Beispiel am Messestand in der Industrieausstellung beim medizinischen Fachkongress für ein positives Kundenerlebnis? Und wie nutze ich die gewonnenen Erkenntnisse (sprich: Daten), um die Customer-Journey auch für alle anderen Kanäle zu optimieren?

Das gilt für alle Veranstaltungen, ganz besonders aber in der Pharma-Live-Kommunikation, wo es immer (und ausschließlich) um Fortbildung geht und somit Inhalte im Vordergrund stehen. Und genau deshalb sollten Fachkongresse digitaler werden, denn durch den Einsatz neuer Technologien lassen sich Inhalte immer wieder neu und spannend vermitteln und ermöglichen Interaktion.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, um die Veranstaltung zu verlängern und die Reichweite zu erhöhen, zum Beispiel durch orchestrierte Kommunikation vor und nach der Veranstaltung, durch Video-Streaming für die, die nicht vor Ort sein können, Live-Berichterstattung per Twitter und Co. Welche Maßnahmen davon wirklich sinnvoll sind, ist immer neu abzuwägen: Was unterstützt die Marketingziele? Welche Services sind nützlich für die Teilnehmer? Wodurch wird die Kundenbindung gestärkt?

Allgemeingültige Antworten darauf gibt es nicht, aber sie lassen sich finden. Dabei unterstützen wir. Im RedLab.